Thema

Kontakt halten - Orientierung geben

Am Anfang steht die Kontaktaufnahme

Freiwillige Kontaktaufnahme ist in der Fichtlmeier-Methode kein Zufallsprodukt. Sie ist das Ergebnis eines klar aufgebauten Zusammenspiels zwischen Hund und Mensch. Der Hund soll nicht permanent angesprochen, gerufen oder korrigiert werden müssen. Er soll lernen, von sich aus nach seinem Menschen zu schauen, Kontakt aufzunehmen und sich an ihm zu orientieren. Gleichzeitig muss der Mensch lernen, diesen Kontakt wahrzunehmen, richtig zu beantworten und verständlich weiterzuführen.

Der Aufbau von Kontakt

Ein sehr effektives Element ist die Futterschüsselübung. Sie zeigt dem Hund bereits früh, dass sein Blickkontakt eine Wirkung hat. Der Mensch fordert diesen Blick nicht ein, sondern wartet, bis der Hund ihn von sich aus anbietet. Erst dann folgt die Reaktion: Die Schüssel wird nachgefüllt. So entsteht eine wichtige Erfahrung: Wenn ich meinen Menschen anschaue, entsteht eine sinnvolle Reaktion. Aus einem zufälligen Blick wird bewusste Kontaktaufnahme. Aus Kontaktaufnahme kann Orientierungswille entstehen.

 

Entscheidend ist dabei, dass diese Übung stumm abläuft. Keine Kommandos, keine Aufforderung, kein Druck. Der Hund entdeckt selbst, dass Kontakt zum Menschen lohnend und bedeutsam ist.

 

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Wie der Mensch Kontakt beantwortet

Kontakt entsteht jedoch nicht nur vom Hund aus. Auch der Mensch braucht klare Mittel, um Aufmerksamkeit herzustellen, Nähe positiv zu besetzen und Orientierung anzubieten. Dafür nutzt Fichtlmeier unter anderem stimmungsneutrale Aufmerksamkeitssignale, Körpersignale und die Futterhand. Sie dienen nicht dazu, den Hund zu bedrängen oder ihm etwas zu befehlen, sondern ihn in die Kommunikation einzuladen.

 

Das Zungenschnalzen kann zum Beispiel als neutrales Aufmerksamkeitssignal eingesetzt werden. Es trägt keine gereizte oder befehlende Stimmung in sich, sondern bedeutet klar: Schau her, nimm Kontakt auf. Die Futterhand macht die Nähe zum Menschen lohnend und hilft dem Hund, sich körpernah zu orientieren.

 

Auch das „Honululu“ folgt diesem Prinzip. Es ist kein scharfes Rückrufkommando, sondern ein freudiger Stimmungslaut, der Annäherung erleichtert. In Verbindung mit der Hocke als Körpersignal erhält der Hund eine Einladung, die er akustisch, visuell und emotional verstehen kann.

Vom Kontakt zur Orientierung

Kontakt ist der erste Schritt. Orientierung entsteht, wenn der Hund diesen Kontakt immer häufiger nutzt, um sein Verhalten am Menschen auszurichten. Daraus entwickelt sich unter anderem Bleib 1, das freiwillige Bei-Fuß-Gehen. Der Hund bleibt nicht an der Seite des Menschen, weil er festgehalten oder ständig korrigiert wird. Er bleibt dort, weil er Orientierung findet und weil sich diese Nähe für ihn bewährt hat. Damit wird Kontakthalten zu einem zentralen Baustein der Führung. Der Mensch muss nicht permanent einwirken, sondern baut eine Verbindung auf, die der Hund aktiv mitträgt.

 

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Was das für Hundehalter bedeutet

Wer Kontaktaufnahme und Kontakthalten systematisch aufbaut, muss Aufmerksamkeit nicht ständig einfordern. Der Hund lernt, von sich aus beim Menschen nachzufragen, dessen Körpersprache wahrzunehmen und sich daran auszurichten. Für Hundehalter verändert das den Alltag spürbar: weniger Rufen, weniger Korrigieren, weniger permanentes Management. 

 

Führung entsteht nicht durch Daueransprache, sondern durch einen Hund, der den Kontakt zum Menschen aktiv sucht und hält.

Warum wir das ansprechen

Kontakt und Orientierung bilden die verbindende Achse der Fichtlmeier-Methode. Der Hund soll nicht nur auf Signale reagieren, sondern lernen, den Menschen von sich aus als Bezugspunkt zu wählen. Dadurch entsteht eine andere Qualität von Führung. Aufmerksamkeit wird nicht ständig eingefordert, sondern entwickelt sich aus Erfahrung: Der Kontakt zum Menschen gibt Orientierung, Sicherheit und sinnvolle Handlungsmöglichkeiten.

 

Dieser Orientierungswille verbindet viele Bausteine der Methode miteinander. Körpersprache, Aufmerksamkeitssignale, Leinenführung, Motivation und Vertrauen wirken nicht nebeneinander, sondern führen zu einem Hund, der aktiv nachfragt und sich freiwillig am Menschen ausrichtet.

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